Karneval gilt also als international anerkannter Begriff für die Feierlichkeiten der Narren vor Beginn der Fastenzeit. Neben dem Karneval in Rio, dem Karneval in Québec, Rijeka und Stavelot lohnt sich auch der Karneval unserer italienischen Nachbarn. Noch dazu ist die Wahrscheinlichkeit, diesen einmal hautnah mitzuerleben, wohl realistischer als jener in Rio. Deswegen: Seid gefasst auf die italienischen Jecken und ihre Macken!
Die italienischen Karnevalshochburgen
Neben Venedig gilt der Karneval in Viareggio als das größte Karnevalsspektakel in Italien und zieht eine lange Geschichte mit sich. Nächstes Jahr wird er zum 138. Mal stattfinden und repräsentiert seit jeher den italienischen Karneval weltweit.
Aus der Unzufriedenheit der Bürger entstand die Tradition
Seinen Ursprung fand der Karneval von Viareggio an der italienischen Versilia-Küste im Jahr 1873: damals organisierten die Bürger einen bunten Umzug mit geschmückten Wägen, die die Strandpromenade entlang auf und ab fuhren. Bei dieser Gelegenheit wollten sich die Bürger gegen die zu hohen Steuern auflehnen und veranstalteten eine Maskerade aus Protest gegen die Obersteuereinnehmer, die sie in Form von Figuren und Masken aufs Korn nahmen. Den Organisatoren und Bürgern gefiel dieser Umzug und so entstand 1873 die Tradition, jedes Jahr in Form von Umzügen die Stimmung der Bevölkerung auszudrücken und namhafte Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft zu parodieren.
Die deutsch-italienischen Unterschiede
Dieser Idee bleibt das Spektakel in Viareggio bis heute treu und der Zeit angemessen fuhren deswegen in den letzten Jahren namhafte Persönlichkeiten wie Berlusconi auf und ab. Die italienischen Jecken basteln dabei kunstvoll-kreative Figuren aus Pappmaché, die für eine langwierige Anfertigung sprechen. Die italienischen Wägen können sich sehen lassen: die darauf angebrachten Figuren bewegen Beine und Arme, rollen die Augen, schließen und öffnen den Mund und dies alles geschieht auf mehreren Ebenen und in einer Dimension, wie man sie in Deutschland (noch) nicht kennt. Wer weiß, was hierzulande noch alles auf uns warten mag, aber in der Kreativität haben uns die Italiener bislang etwas voraus.
Was vielleicht auch daran liegen mag, dass es weniger als Trinkgelage gilt sondern vielmehr als Familienausflug, bei dem sich die Familie nicht selten gesammelt als Kätzchen, Schlümpfe oder Clowns verkleidet. Der Umzug in Viareggio ist auf jeden Fall beeindruckend und sehenswert. In seiner Länge übersteigt er sogar den Kölner Rosenmontagsumzug und es dauert rund drei Stunden, bis alle Wägen einmal an einem vorbeigezogen sind.
Ein weiterer Unterschied zwischen dem italienischen und dem deutschen Karneval ist, dass gar nicht oder nur sehr sehr selten mit Kamelle geworfen wird. Die Italiener setzen auf Konfetti, das dafür aber in ganzen Kanonenladungen ins Publikum gefeuert wird!
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