Er ist Spiegel der Fasnacht und der ganzen närrischen Jahreszeit und amüsiert die Mainzer und alle Touristen schon seit seiner feierlichen Enthüllung 1967. Blasius Spreng, der in der Nachkriegszeit eine Vielzahl von Denkmälern in ganz Deutschland gestaltete, reichte seinen Entwurf in den frühen 60ern bei der, von der Stadt Mainz organisierten, Ausschreibung ein, setzte sich gegen 234 Mitbewerber durch und durfte den Brunnen anschließend gestalten.

Von Eseln und Mönchen

Drei Jahre arbeitete Spreng an seinem bronzenen Brunnenmodell, das nicht nur die Geschichte der Fasnacht (regional manchmal auch Fas(s)enacht bezeichnet) in Mainz repräsentiert. Über zweihundert verschiedene Figuren und Allegorien schmücken den turmartigen Brunnen. Unter ihnen sind so bekannte Schalksnarren und derb-komische Gestalten wie Till Eulenspiegel, der Harlekin, Hanswurst, der Geldbeutelwäscher, der Mann mit dem Brett vor dem Kopf, verschiedene Vagabunden, die sogenannten Schwellköpp und die Stadtgöttin Moguntia.
Eines der bekanntesten Motive ist der Eselreiter. Dabei handelt es sich um einen Reiter, der verkehrt herum auf einem Esel sitzt und dabei seinen Schwanz in der Hand hält. Da auf dieser Figur auch ein Paragraphen-Symbol abgebildet ist, nahm man fälschlicherweise an, die Figur würde einen typischen Paragraphenreiter darstellen. Tatsächlich handelt es sich aber um die Darstellung einer Ehrenstrafe der Rottweiler Narrenzunft, bei der Männer, die sich von ihren Frauen schlagen ließen, rückwärts durch die Stadt reiten mussten. Das Paragraphen-Symbol steht dabei einfach für die „Bestrafung“.
Ebenfalls sehr bekannt und beliebt ist der „Mönch mit den drei W’s“. Ein sitzender Mönch hält in der linken Hand das heilige Kreuz und mit seiner Rechten stützt er sich auf ein Schild oder eine Tafel, auf der drei W’s abgebildet sind. Diese sind wiederum das Synonym für „Weck, Worscht un Woi“ (Brötchen, Wurst und Wein) – eine beliebte Mahlzeit der Region. Vermutlich wollte der Künstler damit ausdrücken, dass man nicht vom Glauben allein leben kann.
Der Geldbeutelwäscher ist Abbild einer alten Tradition, die hauptsächlich in der schwäbisch-alemannischen Region am Aschermittwoch stattfand und stattfindet. Dieser Tag symbolisiert das Ende einer Saison und somit sind die Geldbeutel leer und können gewaschen werden. Man tut das auch in der Hoffnung, dass neues Geld in den Beutel gespült wird.

Der Turm steht kopf

Der Narrenturm steht in dem Brunnen auf seiner Spitze. Er verjüngt sich nach unten hin und steht insgesamt nur auf vier schmalen Pfeilern. Es ist ein Symbol der Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit der närrischen Glückswelt. Die lebensfrohe Unbeschwertheit sollte aber (in einer perfekten Welt) ein dauerhafter Zustand für alle Menschen sein. Zusätzlich steht der Brunnenturm für den Dom, der während der Fasnacht auf dem Kopf steht.

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